JAV von A bis Z

P wie Probezeit

P wie Probezeit

ABC für JAVen

Jede Berufsausbildung beginnt zunächst mit einer Probezeit. Diese „Testphase“ dient dazu, dass sowohl Auszubildende_r als auch Ausbildende_r Erfahrungen sammeln können: Der_Die Auszubildende kann den Betrieb kennenlernen und entscheiden, ob die Ausbildung für ihn_sie das Richtige ist. Der_Die Ausbildende kann prüfen, ob der_die Auszubildende für den zu erlernenden Beruf geeignet ist und sich in das betriebliche Geschehen einarbeiten kann.

In Ausbildungsberufen nach Berufsbildungsgesetz (BBiG) beträgt die Probezeit einen bis maximal vier Monate (§ 20 BBiG). Für Auszubildende in Pflegeberufen gelten andere gesetzliche Grundlagen, hier kann die Probezeit bis zu sechs Monate dauern. Unter Umständen hat ver.di im Tarifvertrag aber auch eine kürzere Probezeit regeln können. In jedem Fall muss die Länge im Ausbildungsvertrag festgehalten sein.

Während der Probezeit kann sowohl der_die Auszubildende den Ausbildungsvertrag jederzeit und ohne Angabe von Gründen kündigen, aber auch der_die Ausbildende. Die Kündigung muss schriftlich erfolgen. Bestimmte Personen genießen während ihrer Ausbildung allerdings auch in der Probezeit einen gesonderten Kündigungsschutz. Das gilt besonders für Schwangere und Menschen mit einer Behinderung. Nach der Probezeit können Auszubildende nur noch in besonderen Fällen gekündigt werden.

Eine Probezeitkündigung kann der_die Ausbildende ohne Zustimmung der JAV und des Personal- bzw. Betriebsrats durchführen. Jedoch muss der_die Ausbildende den Betriebsrat (§ 102 Abs. 1 BetrVG) bzw. den Personalrat (§ 79 Abs. 3 und 4 BPersVG, vgl. entsprechende Regelungen in den LPersVG) vor einer Probezeitkündigung anhören und die Kündigung ihm gegenüber auch begründen, sonst ist diese unwirksam. Personal- bzw. Betriebsrat und JAV haben dann lediglich eine Frist von drei Tagen, um Einwände zu formulieren.

In jedem Fall solltet ihr als JAV die betroffenen Auszubildenden anhören und ihr solltet prüfen, ob eine Weiterführung der Ausbildung nicht doch mit dem_der Ausbildenden ausgehandelt werden kann. Außerdem solltet ihr bei Begrüßungsveranstaltungen für eure neuen Auszubildenden darauf hinweisen, dass sich die Auszubildenden bei Problemen möglichst frühzeitig bei euch melden. So könnt ihr schon im Vorfeld Kündigungen in der Probezeit vorbeugen.