JAV von A bis Z

A wie Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung

ABC für JAVen

A wie Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung

Leider bekommen Auszubildende immer wieder Ärger wegen einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung. Als JAV solltet ihr deshalb die gesetzlichen Regelungen kennen und eure Auszubildenden zu Beginn der Ausbildung entsprechend informieren:

Wenn Auszubildende krank sind und zu Hause bleiben, müssen sie dies nach § 5 Entgeltfortzahlungsgesetz (EFZG) dem Betrieb noch am selben Tag mitteilen. Diese Krankmeldung kann telefonisch erfolgen, dabei muss auch die voraussichtliche Dauer der Arbeitsunfähigkeit genannt werden. Auszubildende sind aber nicht verpflichtet, die Art der Erkrankung zu nennen. Und sie sollten dies auch auf keinen Fall tun, denn es kommt immer wieder vor, dass Arbeitgeber diese Information später zum Nachteil der Erkrankten benutzen.

Ist jemand länger als drei Tage erkrankt, benötigt er_sie ein ärztliches Attest. Dieses muss spätestens am vierten Tag der Arbeitsunfähigkeit beim Arbeitgeber vorgelegt werden. Allerdings kann dieser auch eine schnellere Vorlage – unter Umständen ab dem ersten Tag – verlangen. Hierbei habt ihr als JAV aber über den Betriebs- bzw. Personalrat ein Mitbestimmungsrecht nach § 87 Abs. 1 Nr. 1 BetrVG bzw. § 75 Abs. 3 Nr. 3 BPersVG.

Krankgeschriebene dürfen alles tun, was die Genesung nicht verzögert. Dazu gehören zum Beispiel auch Einkäufe oder Spaziergänge. Hat ein Arbeitgeber ernsthafte Zweifel an einer Krankschreibung, kann er von der Krankenkasse verlangen, den medizinischen Dienst einzuschalten. Eine heimliche Überwachung des_der Erkrankten ohne konkreten Verdacht z.B. durch einen Privatdetektiv ist dagegen rechtswidrig. Entstehen aus einer solchen Überwachung Fotos und Videoaufnahmen, hat der_die Auszubildende sogar Anspruch auf Entschädigung wegen Verletzung des Persönlichkeitsrechts (BAG-Urteil 8 AZR 1007/13).

Es kommt auch immer wieder vor, dass Arbeitgeber den Auszubildenden im Krankheitsfall Minusstunden aufschreiben. Auch hier müsst ihr als JAV sofort dagegen vorgehen und dem Arbeitgeber klarmachen, dass dies rechtswidrig ist, da es der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall nach § 3 EFZG widerspricht.