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Übernahme unternehmen – unbefristet, wohnortnah und in Vollzeit! …

Ausbildung und Beruf

Übernahme unternehmen – unbefristet, wohnortnah und in Vollzeit!

Positionspapier zur Übernahme

Die ver.di Jugend Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen wird sich im Jahr 2012 verstärkt für eine unbefristete, wohnortnahe Übernahme in Vollzeiteinsetzen. Unter Übernahme wird der Einstieg der Auszubildenden in das Berufsleben nach der Ausbildung verstanden. Laut einer Befragung der DGB Jugend im Oktober 2009 wussten zwei Drittel der Befragten Auszubildenden im letzten Ausbildungsjahr nicht, ob sie übernommen werden. Übernahme nach der Ausbildung ist in unseren Augen jedoch politisch sinnvoll, ökonomisch wertvoll und sozial verantwortungsvoll.

Übernahme ist politisch sinnvoll, weil damit die einzelnen Regionen nachhaltig gestärkt werden können. Eine wohnortnahe, unbefristete Übernahme in Vollzeit bedeutet für die politisch Verantwortlichen auch immer höhere Steuereinnahmen, die dem Bund, den Ländern und den Kommunen zur Verfügung stehen. Dies lässt sich speziell durch die in Folge einer Übernahme steigende Kaufkraft erklären, die eine Liquiditätserhöhung der öffentlichen Kassen mit sich bringt. Über die Höhe von Umsatz- und Gewerbesteuereinnahmen entscheidet schließlich die regionale Kaufkraft. Zudem werden die sozialen Sicherungssysteme durch übernommene Auszubildende entlastet und durch Mehreinnahmen sogar noch gestärkt. Des Weiteren wird durch den persönlichen regionalen Bezug auch das gesellschaftliche und politische Engagement in Organisationen, Vereinen und Verbänden gefördert. Die politisch Verantwortlichen tun deshalb gut daran, sich ebenfalls verstärkt für wohnortnahe, unbefristete Übernahme in Vollzeiteinzusetzen.

Es ist in Zeiten eines drohenden Fachkräftemangels für Unternehmen durchaus ökonomisch wertvoll, durch Übernahme der Beschäftigten, deren berufliche Perspektive in der betreffenden Region zu sichern. Mit einem durchdachten Personalentwicklungskonzept kann in Werbegesprächen Transparenz geschaffen werden – das beinhaltet eine Personalbedarfsplanung unter Berücksichtigung einer Altersstrukturanalyse. Durch eine unbefristete, wohnortnahe Übernahme in Vollzeit anstatt einer Anstellung auf Probe und/oder zu geringer Einstufung können Fachkräfte nachhaltig gesichert werden. Diese „eigenen“ Fachkräfte können sich im Laufe des Beschäftigungsverhältnisses zugunsten beider Seiten – der der Fachkraft und der des Unternehmens – weiter qualifizieren und wandern aufgrund der Übernahme auch nicht ab. Das kann und muss letztlich auch ein politisches Interesse sein. Erhöhte Planbarkeit greift dabei auch in das Privatleben über: eine Zunahme an Familien wirkt dem demographischen Wandel entgegen – das sollte sowohl im Interesse von Politik als auch von Unternehmen sein. Laut dem Statistischen Bundesamt wird die Bevölkerungszahl von Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen ausgehend von Daten aus 2008 zwischen 2010 und 2030 um mehr als 15 Prozent zurückgehen. Zudem wird der Anteil derer, die älter als 65 Jahre sein werden, in den jeweiligen Ländern mindestens ein Drittel betragen. Angesichts solcher Zahlen müssen besonders die Unternehmen begreifen, dass die Übernahme von Nachwuchskräften auch für sie selbst wertvoll ist.

Durch erhöhte Planbarkeit im beruflichen, wie auch privaten Bereich erweist sich unbefristete, wohnortnahe Übernahme in Vollzeit als sozial verantwortungsvoll. Verantwortungsbewusster Weitblick kann dabei auch durch die Perspektive bewiesen werden, einerseits flexible Lebensarbeitszeiten zu gestalten und andererseits die Weiterbildung der Beschäftigten zu forcieren. Angesichts der heutigen Ansprüche in der Bildungsgesellschaft ist es von immenser Bedeutung für die Beschäftigten, sich stets weiterbilden zu können. Die dadurch zugewonnenen Qualifikationen nutzen letztlich auch den Unternehmen. Im Rahmen eines Personalentwicklungskonzeptes mit dem Ziel einer unbefristeten, wohnortnahen Übernahme in Vollzeit kann somit auch ein besserer Wissenstransfer zwischen den Generationen gewährleistet werden. Um Beschäftigten die Chance auf Bildungzu gewähren, sind zum einen flexiblere Arbeitszeiten und zum anderen die Möglichkeit zur Freistellung vonnöten- Unternehmen profitieren letztlich von der Qualitätssteigerung. Zur Wahrnehmung von Bildungsmöglichkeiten ist ein Bildungsfreistellungsgesetz in allen drei Bundesländern Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen deshalb unbedingt anzustreben. Für die individuelle persönliche Entfaltung aller ist ein freier Zugang zu Bildung zu gewährleisten. Unternehmen wie auch Politik müssen sich dieser Verantwortung bewusst sein.

Politik und Unternehmen müssen mehr Verantwortung für ihre Regionen übernehmen. Wir fordern in diesem Kontext die unbefristete, wohnortnahe Übernahme im Vollzeitbeschäftigungsverhältnis unter Berücksichtigung der absolvierten Ausbildung. Die daraus resultierende Stärkung der Region ist sinnvoll, die Erhöhung von Planbarkeit für alle Beteiligten wertvoll und die Gewährleistung persönlicher Entfaltung verantwortungsvoll.

„Wir rufen deswegen politisch interessierte Auszubildende, Beschäftigte und zukunftsorientierte Unternehmen dazu auf, unsere Forderungen aktiv zu unterstützen.“