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Betriebliche Ausbildung hat Vorfahrt

Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik

Betriebliche Ausbildung hat Vorfahrt

Verwaltungsrat der BA startet Initiative zur Begleitung des Berufsstarts für benachteiligte Jugendliche

„Lebenslauforientierte Arbeitsmarktpolitik richtet ihr Augenmerk auf die weichenstellenden Übergänge im Erwerbsleben. Jugendlichen einen guten Start ins Berufsleben zu sichern, gehört zu den besonderen Schwerpunkten einer lebenslaufbegleitenden vorsorgenden Arbeitsmarktpolitik. Für ver.di war es ein Alarmsignal, dass in den letzten zwei Jahren sowohl die Zahl der jungen Menschen ohne Ausbildungsplatz als auch die Zahl der unbesetzten Ausbildungsstellen zugenommen hat,“ so Eva M. Welskop-Deffaa, im ver.di-Bundesvorstand zuständig für Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik und für ver.di Mitglied im Verwaltungsrat der Bundesagentur für Arbeit.

„Die Selbstverwaltung der Bundesagentur für Arbeit hat nun eine Initiative auf den Weg gebracht, die hier gegensteuert. Ziel ist es, auch für jene jungen Menschen faire Teilhabechancen zu sichern, die ohne begleitende Unterstützung durchs Netz zu fallen drohen.“, so Eva M. Welskop-Deffaa weiter.

Die vom Verwaltungsrat der Bundesagentur für Arbeit (BA) angestoßene Initiative „Betriebliche Ausbildung hat Vorrang“ ist modular angelegt. Sie kombiniert verschiedene Elemente so, dass mehr Ausbildungsplätze erschlossen werden und mehr Bewerbungen zum Erfolg führen.

Im Mittelpunkt der Kampagne steht die gezielte Ansprache von Betrieben, mehr Ausbildungsplätze auch für benachteiligte Jugendliche zur Verfügung zu stellen. Hierzu werden – vorläufig zeitlich befristet für zwei Jahre – zusätzlich 160 Ausbildungsakquisiteure im Arbeitgeber-Service der Agenturen eingesetzt. 

Modul II sind die „Ausbildungsbegleitenden Hilfen“. Alle Auszubildenden, die diese Unterstützung benötigen, sollen diese in Zukunft auch erhalten. Hierzu regt der Verwaltungsrat eine Gesetzesänderung an. Zurzeit sind die Hilfen Jugendlichen mit Lernschwierigkeiten oder sozial Benachteiligten vorbehalten. Sinnvoll erscheint es dem Verwaltungsrat, die Hilfen auf alle Jugendlichen auszudehnen, die ohne die Förderung mit ausbildungsbegleitenden Hilfen voraussichtlich Schwierigkeiten haben werden, eine betriebliche Ausbildung zu beginnen, fortzusetzen oder erfolgreich abzuschließen. Die Ausweitung der ausbildungsbegleitenden Hilfen ist damit zugleich eine präventive Maßnahme, um Ausbildungsabbrüche zu verhindern.

Den dritten Baustein der Initiative bildet die „Assistierte Ausbildung“ als neues Förderinstrument. Dabei werden die Jugendlichen in Betrieben noch vor Beginn und während der gesamten Ausbildungszeit begleitet und gefördert. Gleichzeitig werden die Betriebe organisatorisch und administrativ bei der Ausbildung benachteiligter Jugendlicher unterstützt. Der Verwaltungsrat appelliert an den Gesetzgeber, die assistierte Ausbildung als eigenständiges Regelinstrument einzuführen.

Die Lernerfolge im „Lernort Betrieb“ sind eine wesentliche Voraussetzung für den späteren Berufserfolg. Daher unterstützt der Verwaltungsrat nachdrücklich die Tendenz, bei der außerbetrieblichen Berufsausbildung stärker auf kooperative Angebote zu setzen. „Die Ausbildung in außerbetrieblichen Einrichtungen soll noch enger mit den Betrieben verzahnt werden. Dazu müssen kooperierende Betriebe gesucht und für das Modell gewonnen werden,“ so Eva Welskop-Deffaa.

Last but not least schlägt der Verwaltungsrat für Regionen mit einem besonders problematischen Ausbildungsmarkt ein neues Bund-Länder-Programm vor.

Die Initiative „Betriebliche Ausbildung hat Vorfahrt“ verkennt nicht, dass die Ausbildung für wichtige Zukunftsberufe in Deutschland noch immer als schulische Ausbildung organisiert ist. Erzieher/Innen und Altenpfleger/Innen gehören dazu. Ihre Ausbildung ist in mehreren Bundesländern noch immer schulgeldpflichtig. Der Verwaltungsrat appelliert an die betroffenen Bundesländer, endlich auf das Schulgeld für die staatliche Ausbildung zu verzichten.

Der Verwaltungsrat hat den Beschluss zur Initiative „Betriebliche Ausbildung hat Vorfahrt“ am 18. Juli 2014 gefasst. Die Gesamtausgaben für das Programm belaufen sich auf ca. 70 Millionen Euro.