JAV von A bis Z

A wie Arbeitszeit

ABC für JAVen

A wie Arbeitszeit

A wie Arbeits- bzw. Ausbildungszeit

Arbeits- bzw. Ausbildungszeit gehört in vielen Betrieben und Dienststellen zu den Themen, mit denen es die JAV (und der Betriebs- bzw. Personalrat) besonders häufig zu tun bekommen. Denn leider nehmen es viele Arbeitgeber bei diesem Thema – insbesondere was die Auszubildenden betrifft – nicht allzu genau. Als JAV gehört es daher zu euren Aufgaben, genau zu überprüfen, inwieweit die tariflichen und gesetzlichen Regelungen eingehalten werden und gegen Verstöße eures Arbeitgebers in Kooperation mit eurem Betriebs- bzw. Personalrat vorzugehen.

Bei den gesetzlichen Regelungen müsst ihr zunächst mal unterscheiden: Für eure Auszubildenden über 18 Jahren gilt das Arbeitszeitgesetz (ArbZG). Demnach darf die Ausbildungszeit pro Werktag nicht mehr als 8 Stunden und wöchentlich nicht mehr als 48 Stunden betragen (§ 3 ArbZG). Dazu muss es eine Ruhepause von mindestens 30 Minuten bzw. 45 Minuten ab 6 Stunden Ausbildungszeit geben (§ 4 ArbZG). Die Ruhezeit zwischen zwei Ausbildungstagen muss mindestens 11 Stunden betragen (§ 5 Abs. 1 ArbZG). Die Berufsschulzeit wird bei volljährigen Auszubildenden nur angerechnet, wenn sich Berufsschule und reguläre Arbeitszeit überschneiden. Wenn nach der Berufsschule noch mindestens eine halbe Stunde betriebliche Ausbildungszeit verbleibt, müssen Auszubildende über 18 zurück in den Betrieb. Die Wegezeit gilt dabei als Arbeitszeit.

Für eure Auszubildenden unter 18 und jugendlichen Beschäftigten gilt dagegen das Jugendarbeitsschutzgesetz (JArbSchG). Demnach darf die Arbeits- bzw. Ausbildungszeit pro Werktag nicht mehr als 8 Stunden und wöchentlich nicht mehr als 40 Stunden betragen (§ 8 Abs. 1 JArbSchG). Dazu muss es bei 4 ½ bis 6 Stunden täglicher Arbeits- bzw. Ausbildungszeit eine Ruhepause von mindestens 30 Minuten geben, bei mehr als 6 Stunden täglicher Arbeits- bzw. Ausbildungszeit sogar 60 Minuten (§ 11 JArbSchG). Die Ruhezeit zwischen zwei Arbeits- bzw. Ausbildungstagen muss mindestens 12 Stunden betragen (§ 13 JArbSchG). Bei minderjährigen Auszubildenden wird ein Berufsschultag pro Woche mit mehr als 5 Unterrichtsstunden mit 8 Stunden auf die Arbeitszeit angerechnet. Bei einem zweiten Berufsschultag in der Woche wird nur die tatsächliche Berufsschulzeit (inkl. Pausen und Wegezeiten) angerechnet.

Für viele Betriebe und Dienststellen hat ver.di jedoch Tarifverträge durchsetzen können, die deutlich bessere Regelungen für die Auszubildenden und Beschäftigten bedeuten. Aber Achtung: Bei Verstößen des Arbeitgebers haben nur ver.di-Mitglieder einen einklagbaren Rechtsanspruch auf diese tarifvertraglichen Regelungen, darauf solltet ihr eure Auszubildenden in jedem Fall hinweisen.

Bei vielen Regelungen zur Arbeits- und Ausbildungszeit könnt ihr als JAV über euren Betriebs- bzw. Personalrat Einfluss nehmen. Denn dieser kann vieles mitbestimmen (§ 87 Abs. 1 Nr. 2 u. 3 BetrVG bzw. § 75 Abs. 3 Nr. 1 BPersVG), so zum Beispiel:

  • Beginn und Ende der täglichen Arbeits- bzw. Ausbildungszeit
  • Sonntags- / Feiertagsarbeit
  • Bereitschaftsdienst und Rufbereitschaft
  • Überstunden/Mehrarbeit
  • Sonderschichten
  • Arbeitsausfall an einzelnen Tagen
  • Kurzarbeit

Weitere nützliche Tipps und Infos zum Thema Arbeits- und Ausbildungszeit findet ihr auf jav.info oder wendet euch an eure*n ver.di-Jugendsekretär*in vor Ort.

Fragen? Meldet euch!